TremoCup
HTBLVA Spengergasse

Das Zittern in der Kaffeetasse
Alice Hristov besucht den Zweig Medizininformatik und beschäftigt sich mit der Schnittstelle zwischen Technik und Krankheit. In der Recherche wurde ihr klar: Tremor-Messungen in der Klinik sind Momentaufnahmen, die Therapieanpassung kommt zu spät. Betreut von DI Fitzgerald Rodas suchte sie nach einer Messmethode, die im Alltag funktioniert, ohne Stigma, ohne Wearable. Die Antwort war ein Gegenstand, den fast alle täglich in die Hand nehmen: die Kaffeetasse.
TremoCup ist ein Modul, das unter eine handelsübliche Tasse geklebt wird. Im 3D-gedruckten Gehäuse stecken ein Beschleunigungssensor und ein ESP32-Mikrocontroller, der die Bewegungen in Echtzeit auswertet. Alice entwarf die eigene Leiterplatte in EasyEDA, ihr erstes PCB-Projekt überhaupt, und programmierte die Firmware in C++. Das Kernproblem: Wie unterscheidet man eine normale Trinkbewegung vom Parkinson-Tremor? Ihre Lösung ist ein Kalibrierungssystem mit zwei Referenzmustern, das die Tasse anhand von sechs Sekunden Ruhe- und sechs Sekunden Trinkbewegung lernt. Im laufenden Betrieb vergleicht der Algorithmus die Sensordaten live mit beiden Mustern und erkennt drei Zustände: normale Bewegung, Ruhe-Tremor, Aktions-Tremor.
Die Daten gehen per Bluetooth an eine selbst entwickelte App, die den Verlauf als Diagramm zeigt und auf Knopfdruck einen PDF-Bericht fürs nächste Arztgespräch erstellt. Der Prototyp läuft, das PCB ist bestückt, die Mustererkennung funktioniert. Erste Feldtests sind in Kooperation mit dem Wiener Gesundheitsverbund geplant. Für rund 15 Euro Materialkosten entsteht so etwas, das bisher als komplexes Wearable mehrere hundert kostet. Präzisionsmedizin, die in eine Tasse passt.
HTBLVA Spengergasse, Wien | Alice Hristov | Betreuung: DI Fitzgerald Rodas, BEd