SynthoBot
HTL Rennweg

Kein Abzug, kein Experiment
In vielen österreichischen Schulklassen verstauben Reagenzgläser ungenutzt im Schrank: kein funktionierender Abzug, kein Schutzraum, kein Experiment. Was möglich wäre, bleibt aus Sicherheitsgründen ungetan. Den entscheidenden Anstoß gab eine frühere Schularbeit von Sebastian Schöngrundner: ein automatisierter Roboterarm, gebaut für den Unterrichtsgegenstand Robotik und Handhabung. Eine Chemielehrerin wies ihn darauf hin, dass ohne Filtersystem jede Automatisierung auf externe Abzüge angewiesen bleibt. Die Idee zu SynthoBot war geboren und wurde zur Diplomarbeit von vier Schülern der HTL Rennweg.
Seit Jänner 2025 arbeitet das Team gemeinsam, betreut von DI Markus Gross MA. Tobias Weinhofer konstruierte das Gestell, den Drehtisch und den Roboterarm. Damit gefährliche Dämpfe dort bleiben, wo sie hingehören, fertigte Nedzhatin Remziev einen Reaktionsraum aus chemikalienbeständigem Acrylglas mit pneumatischen Türen und integrierter Filteranlage. Um diese Hardware präzise anzusteuern, verkabelte Sebastian Schöngrundner die gesamte Sensorik im Schaltschrank, während Enes Bag die Steuerung auf einer Siemens-SPS programmierte.
Der SynthoBot ist eine mobile, gasdichte Experimentieranlage. Im Reaktionsraum greift ein Roboterarm Reagenzgläser vom Drehtisch und leert sie in einen Mischbehälter. Der Drehtisch fasst bis zu 16 Reagenzgläser. Während der Reaktion verriegeln die Türen automatisch; das Absaugsystem filtert entstehende Gase. Erst wenn der Reaktionsraum vollständig gereinigt ist, geben die Türen frei. Gesteuert wird alles über ein Touchdisplay. Dass die Materialien dem Dauereinsatz standhalten, haben Tests bewiesen: Das Team prüfte vier 3D-Druck-Filamente zwei Wochen lang mit Alkoholen und Säuren. ASA überzeugte als chemisch robustestes.
Ab dem Schuljahr 2026/27 soll der SynthoBot im Chemieunterricht der HTL Rennweg eingesetzt werden. Die Anlage ist mobil genug, um direkt vor die Schüler:innen gefahren zu werden – dort, wo stationäre Abzüge nie hingelangt haben.
HTL Rennweg, Wien | Sebastian Schöngrundner, Enes Bag, Tobias Weinhofer, Nedzhatin Remziev | Betreuung: DI Markus Gross MA