Klarsicht – Ein Leitfaden für barrierefreies Design
HTBLuVA Salzburg

Das Handbuch, das fehlte
Die Diskrepanz hat sie in der eigenen Ausbildung beschäftigt: Barrierefreiheit als Thema war omnipräsent, konkrete Handreichungen fehlten. Bestehende Richtlinien sind komplex formuliert, Web-Standards dominieren die verfügbaren Ressourcen, der Printbereich wird kaum berücksichtigt. Dabei gilt seit 2025 mit dem European Accessibility Act eine neue rechtliche Grundlage, die weite Teile der Designbranche betrifft. Betreut von Andre Mayr machten Sophie, Jakob und Anna das zum Thema ihrer Diplomarbeit.
Anna Hoogstoel legte die visuelle Basis: Corporate Design, Farben, Formen. Darauf aufbauend entwickelte Jakob Gruber die Website nach WCAG-Richtlinien, dem internationalen Standard für barrierefreie Webinhalte, mit Tastaturbedienbarkeit und semantisch sauberem Code. Sophie Leissing übersetzte dieselben Prinzipien ins Analoge: ein modulares Ringbuch, dessen Kapitel einzeln ausgetauscht werden können, damit der Leitfaden mit neuen Standards mitwächst.
Bewusst treffen die drei Designentscheidungen, die das Thema des Leitfadens selbst verkörpern. Die Schrift Atkinson Hyperlegible Next wurde gewählt, weil sie speziell für gute Lesbarkeit und visuelle Einschränkungen entwickelt wurde. Das Farbsystem basiert auf der Viridis-Skala, die auch bei Farbsehschwäche unterscheidbar bleibt. Farben strukturieren Inhalt, Hierarchie entsteht durch Typografie statt Dekoration. Die Erkenntnis, die sich dabei auftat: Barrierefreiheit schränkt Ästhetik nicht ein, sie schärft sie.
Die Website ist grundstrukturiert und funktionsfähig, der Print-Leitfaden geht bald in Druck. Gemeinnützig soll das Projekt weitergeführt werden, für Schulen, Agenturen und Bildungseinrichtungen. Was Sophie, Jakob und Anna sich für die eigene Ausbildung gewünscht hätten, soll künftig allen zur Verfügung stehen
HTBLuVA Salzburg | Sophie Leissing, Jakob Gruber, Anna Hoogstoel | Betreuung: Andre Mayr