Invasion unter der Oberfläche – die Quaggamuschel am Attersee, gekommen um zu bleiben
BRG Schloss Wagrain Vöcklabruck

455.000 Muscheln unter dem Quadratmeter
Das Projekt begann als Wahlpflichtfach-Arbeit am BRG Schloss Wagrain in Vöcklabruck und wuchs schnell über seinen ursprünglichen Rahmen hinaus. Heute arbeiten über 100 Schüler:innen aus verschiedenen Klassen mit, betreut von Mag. Dr. Roman Auer. Das Kernteam um Projektkoordinatorin Salome Daniels aus dem Wahlpflichtfach Biologie legt die Forschungsfragen fest und koordiniert die Experimente. Die Auszählungen übernehmen Schüler:innen anderer Klassen lehrplankonform im Biologie- und Geografie-Unterricht, die Mikroskopie läuft über die NAWI-Gruppen der Oberstufe. Ein selten sauberer Fall von Citizen Science, direkt in der Schule.
Im Herbst 2025 entnahm das Team in der Bucht von Weyregg mit einem Van-Veen-Sedimentgrabber, einer mechanischen Schaufel, die am Seegrund zuschnappt, Sedimentproben aus fünf, zehn und fünfzehn Metern Tiefe. Die Hochrechnung aus zehn Metern war der Schock: etwa 455.000 Muscheln pro Quadratmeter Wassersäule. Parallel fischten sie mit einem Planktonnetz Veligerlarven, die mikroskopisch kleinen Schwebestadien, die sich passiv mit der Strömung verbreiten. Die NAWI-Gruppen zählten sie unter Polarisations- und Dunkelfeldmikroskopen aus.
Ein zweiter Strang untersucht, wer die Muscheln frisst. In Kooperation mit BirdLife werden Blässhühner und Tauchenten gezählt; erste Beobachtungen zeigen ungewöhnlich dichte Schwärme über den besiedelten Seegraswiesen, ein Hoffnungsschimmer für die natürliche Regulierung. Ab der kommenden Fischereisaison kommen Magenanalysen an Rotaugen und Karpfen dazu, gemeinsam mit Berufs- und Sportfischern. Ein dritter Strang prüft, wie die Muschel überhaupt haftet: Das Team untersucht die Byssusfäden unter dem Polarisationsmikroskop und plant Unterwasser-Experimente mit Testplatten aus Metall, Glas, folierten, lackierten und emaillierten Varianten. Findet sich eine Oberfläche, auf der Veligerlarven keinen Halt finden, könnten daraus Beschichtungen für Rohre, Stege und Bootsrümpfe entstehen.
Die Forschung läuft bis 2028, flankiert von einem Quagga-Aquarium, das ab Februar 2026 in der Schul-Aula steht. Ziel ist eine belastbare Langzeitdokumentation einer invasiven Art, die sich nicht mehr wegbekommen lässt. Die Frage ist nur, wie der See mit ihr leben wird.
BRG Schloss Wagrain Vöcklabruck | Salome Daniels, Munachukwuso Chijioke, Jwan Rasheed, Tim Schachinger, Elias Todjeras | Betreuung: Mag. Dr. Roman Auer | Kooperation: Naturpark Attersee-Traunsee, Blattfisch, BirdLife, Reinhalteverband Attersee, ÖBF