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Kategorie-Icon SUSTAINABILITY

Herstellung und Modifikation von Holzschaum

Holztechnikum Kuchl

Herstellung und Modifikation von Holzschaum
Styropor dämmt gut, ist leicht und billig. Nur: Es besteht aus Erdöl, zerfällt in Mikroplastik und ist kaum recyclebar. Zwei Schüler des Holztechnikums Kuchl haben einen Schaumstoff entwickelt, der dasselbe kann, aber aus dem Wald kommt.

Schaum aus dem Wald

Der Widerspruch fiel ihnen im eigenen Ausbildungszweig auf: Am Holztechnikum lernt man nachhaltigen Holzbau, dämmt aber mit Plastik. Michael Wagnest und Lois Oberacher fragten sich, ob Holz als nachwachsender Rohstoff auch schaumartig verarbeitet werden kann. In Kooperation mit der FH Salzburg am Campus Kuchl und betreut von DI Herwig Gütler machten die beiden daraus ihre Diplomarbeit.

Der Werkstoff besteht aus fünf Zutaten: Paulowniafasern, Stärke, Ligninsulfonat, einem Nebenprodukt der Zellstoffindustrie, Leinöl und Wasser. Wasserstoffperoxid treibt den chemischen Schäumprozess, ganz ohne synthetische Polymere. Michael übernahm die Organisation und Planung der Versuchsreihen, Lois konzentrierte sich auf die praktische Herstellung und Prüfung der Proben im Labor. 32 Rezepturen testeten sie systematisch, variierten Fasergrößen, Bindemittelanteile und Feststoffgehalt. Schon kleine Änderungen in der Zusammensetzung veränderten die Schaumeigenschaften deutlich. Am Ende stand ein formstabiler Schaum mit einer Rohdichte von rund 150 Kilogramm pro Kubikmeter und einem Feststoffgehalt von sieben Prozent.

Die hergestellten Proben zeigen eine homogene Porenstruktur, ausreichende mechanische Stabilität und lassen sich bearbeiten wie ein fester Schaumstoff. Feine Fasern unter 0,5 Millimeter ergeben glatte, dichte Oberflächen; gröbere Fasern bis 1,5 Millimeter eine offene, faserige Struktur. Je nach Anwendung lässt sich der Schaum gezielt anpassen: als Dämmstoff, als Verpackungsmaterial oder als Kern einer Sandwichplatte. Alle Inhaltsstoffe sind nachwachsend, die Rohstoffe kostengünstig und regional verfügbar. In Zukunft könnte der Herstellungsprozess auf größere Formate skaliert werden. Am Ende bleibt ein Material, das man kompostieren kann statt verbrennen zu müssen.

 

Holztechnikum Kuchl  | Michael Wagnest, Lois Oberacher |  Betreuung: DI Herwig Gütler  | Kooperation: FH Salzburg, Campus Kuchl