Zum Inhalt springen
Kategorie-Icon SUSTAINABILITY

Entwicklung eines Estrichsystems unter Einsatz von Bodenaushubmaterial

HTL Leoben

Entwicklung eines Estrichsystems unter Einsatz von Bodenaushubmaterial
Wer ein Haus baut, gräbt zuerst ein tiefes Loch. Die tonnenweise anfallende Erde wird aufwendig abtransportiert und entsorgt. Gleichzeitig rollen Lkw an, um teuren, frisch abgebauten Sand für den Fußboden anzuliefern. Drei Schüler der HTL Leoben beenden diesen absurden Kreislauf.

Der Fußboden aus der Baugrube

Weltweit gehen der Bauindustrie langsam die Sandreserven aus. Die Förderung ist energieintensiv, der Transport treibt die CO₂-Emissionen in die Höhe. Währenddessen verstaubt der Bodenaushub – allein in Europa jährlich rund 460 Millionen Tonnen – als teurer Reststoff auf Deponien.

Jakob Ferbar, Dorian Galler und Jakob Huss wollten diesen Abfall zum Rohstoff aufwerten. Betreut von DI Dr. Georg Judmaier suchten sie nach einem Bauteil, das große Mengen Material aufnehmen kann und keine extremen Anforderungen erfüllen muss: der Estrich, also der Fußbodenunterbau, der in fast jedem Gebäude steckt. In Zusammenarbeit mit der Baumit GmbH holten die drei Schüler die Baugrube direkt ins Labor.

In 69 Versuchsreihen tasteten sie sich an die perfekte Mischung heran. Um das Verhalten des Materials zu verstehen, ermittelte Jakob Huss zunächst die Plastizität der Bodenproben im Atterberg-Test, einem genormten Verfahren, das misst, wie sich Böden unter Feuchtigkeit verformen. Mit diesem Wissen mischte Jakob Ferbar die Komponenten an, während Dorian die getrockneten Prismen unter der Presse auf ihre Biegezug- und Druckfestigkeit prüfte. Der Durchbruch gelang mit einem speziellen Ökobindemittel von Baumit. Das Resultat ist ein normgerechter Estrich, der zu einem Viertel aus gewöhnlichem Bodenaushub besteht. Ein Großversuch mit 200 Kilogramm Material im Zwangsmischer bestätigte die Praxistauglichkeit.

Die größte Herausforderung bleibt aktuell noch die Zähigkeit des Tons, die das Mischen erschwert und durch weitere Additive gelöst werden soll. Doch der Beweis ist erbracht: Die Baustelle der Zukunft kann ihre eigenen Rohstoffe liefern. So spart man Transportwege, schont die weltweiten Sandvorkommen und gießt den Fußboden einfach aus jener Erde, die ohnehin schon da ist.

 

HTL Leoben |  Jakob Ferbar, Dorian Galler, Jakob Huss  |  Betreuung: DI Dr. Georg Judmaier  | Partner: Baumit GmbH