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Boards without Barriers

HTL Rennweg

Boards without Barriers
Jaroslav Sysel war leidenschaftlicher Schachspieler. Dann zwang ihn die Multiple Sklerose ins Pflegeheim. Das Heim organisiert Brettspielabende, Ausflüge, Bastelstunden. Doch Jaroslav kann an keiner dieser Aktivitäten teilnehmen. Das Zittern in seinen Händen ist so stark, dass er beim Versuch, eine Figur zu bewegen, alle anderen umwirft. Sein Sohn Michal hat mit drei Mitschülern beschlossen, das zu ändern.

Ein Zug ohne Hände

Multiple Sklerose schränkt nicht nur motorisch ein. Gedächtnisverlust, verzögerte Reaktionen, schlechtere Konzentration gehören zum Krankheitsbild. Spiele wie Schach können diesen kognitiven Abbau verlangsamen. Aber wer keine Figuren greifen kann, spielt kein Schach. Auch digitale Alternativen helfen nicht: Die Displays sind zu klein für zitternde Finger. Michal Sysel, David Chencean, Georg Kotzian und Samuel Brunner, Mechatronik-Schüler an der HTL Rennweg, betreut von DI Martin Meschik, haben ein System gebaut, das dieses Problem löst.

Das System trennt die Eingabe von der Bewegung. Unter dem Spielbrett bewegt ein Elektromagnet die Figuren vollautomatisch. Die Spieler:innen geben ihren Zug über ein barrierefreies Eingabegerät ein, das so flach gebaut ist, dass die Hand auf dem Tisch liegen bleibt und nur die Finger die Tasten treffen. David und Georg konstruieren die Mechanik und das Gehäuse, Michal und Samuel die Elektronik und Steuerung. Jeder Prototyp wurde mit Betroffenen getestet und verbessert. Beim ersten Eingabegerät lag die Trefferquote der Tasten bei knapp über 70 Prozent. Nach mehreren Überarbeitungen, unter anderem Trennwände zwischen den Tasten, stieg sie auf über 85 Prozent. Da das Zittern bei MS von Tag zu Tag variiert, hat das Team für stark eingeschränkte Tage eine Spracheingabe integriert, die Züge akustisch bestätigt und innerhalb von fünf Sekunden rückgängig machen lässt.

Was als Diplomarbeit begann, hat längst das Schulgebäude verlassen. Das Team kooperiert mit dem österreichischen Behindertenrat, stellte bei der Ars Electronica in Linz aus und arbeitet mit der Sportuniversität Wien zusammen. Nach der Matura ist eine Unternehmensgründung geplant. In Österreich leben rund 13.500 MS-Erkrankte und 25.000 Menschen mit Parkinson. Für sie alle soll gelten: Wer denken kann, kann spielen.


HTL Rennweg, Wien  | Michal Sysel, David Chencean, Georg Kotzian, Samuel Brunner  | Betreuung: DI Martin Meschik