2018/19

Zitrone mit Skorbut? Vitamin-C-Bestimmung an heimischen und exotischen Obstsorten

BRG Schloss Wagrain

Zitrone mit Skorbut? Vitamin-C-Bestimmung an heimischen und exotischen Obstsorten

Testungen verschiedener Früchte im Chemielabor zeigen, dass die Unterschiede im Vitamin-C-Gehalt auf Art und Ort der Züchtung zurückgehen.​​​

Es ist ein typisches Dilemma der heutigen Zeit: Obst essen ist gesund, besonders im Winter liefert es dem Körper das zur Abwehr benötigte Vitamin C. Wenn das Obst aber aus den Tropen kommt, vertieft sich sein ökologischer Fußabdruck. Nachhaltigkeit oder gute Ernährung, was ist jetzt wichtiger? Ein junges Team aus einer begeisterten Laborchemikerin und drei enthusiastischen Laborchemikern hat auf diese Frage eine überraschende Antwort gefunden.

Es begann damit, dass Leonhardt Kubicek den Zitronen in seinem Kühlschrank förmlich beim Schimmeln zusehen konnte. Dazu musste er nicht davorsitzen (in diesem Fall wäre die Erkältung ja kein Wunder), die verdorbene Frucht machte sich durch ihren Geruch bemerkbar. Gemeinsam mit Michael Gebhartl, Larisa Manaj und Moritz Strauch verhandelte sich Kubicek sodann Zeit im Chemielabor des BRG Schloss Wagrain heraus, um der Mär vom unverzichtbaren Vitamin-C-Gehalt der weit angereisten Zitrusfrucht auf den Grund zu kommen. Allen Mitwirkenden wurden verschiedene Obstsorten zugeteilt. Sie pressten sie mit den Händen aus, filtrierten den Saft, entnahmen Proben und versetzten sie mit einer Mischung aus Schwefelsäure, Kaliumiodidlösung und Stärkelösung.

Iodat färbte die entstehende Lösung blau – und brachte die fruchtbaren Ergebnisse, die durchaus verblüfften: Es ist, wie wenn im Fußballcup eine völlig unbekannte Amateurmannschaft gewinnt. Die letzten Plätze belegten zwar tatsächlich in Mitteleuropa gezüchtete Produkte wie die Zwetschge, die Kirsche und die Birne – ihr Ascorbinsäuregehalt ist einfach zu gering. Die haushohe Siegerin war die Kiwi. Wie, Kiwi? Die wird doch auch Chinesische Stachelbeere genannt und stammt aus Ostasien? Nun, diese nicht. Die getesteten Kiwis wurden in einem Kleingarten in Bad Ischl erworben und schafften ein hohes C, von dem Opernsängerinnen nur träumen können.

Außerdem wurde festgestellt: Bio ist wirklich besser. Die Bio-Zitrone lief der normalen Zitrone den Rang ab, gegenüber der Bio-Orange sah die normale Orange alt aus. War sie auch, schließlich hatte sie bis zu ihrer Ankunft auf oberösterreichischen Tellern eine tausende Kilometer weite Reise unter Kerosin- und anderen Ausstößen hinter sich.

Fotocredit: (c) VOGUS