2018/19

Zapzarap

HTBLuVA Salzburg

Zapzarap

Ein neues Computerspiel rückt afrikanische Frauen, Tiere und Symbole ins Zentrum der Aufmerksamkeit.​​​

Die Negativbeispiele werden in letzter Zeit oft genug bekannt – und kritisiert: Computerspiele, größtenteils von Männern entwickelt, in denen der ungehemmt herumballernde Held ein muskulöser Mann oder eine überproportional sexualisierte Frau ist. Und immer weiß (wenn er/sie nicht gerade vor aggressiver Wut grün angelaufen ist).

Schön, wenn neben der berechtigten Empörung ob dieser Stereotype auch ein positives Gegen(bei)spiel kreiert wird. Lina Dengg, Michael Friedl, Marija Milenkovic, Tanja Neubäck haben sich, bewegt durch ihr Interesse an den Ländern Afrikas und ihrer Symbole, diversen Diversitätsaufgaben gestellt. Divers sind sie selbst zumindest ihre Expertise betreffend: Auf die Reise begaben sich ein 3D-Künstler, eine Programmiererin, eine Interfacedesignerin und eine Charakterdesignerin, die sich jeweils in Zweierteams zusammenschlossen, um voneinander zu lernen.

Die Heldin von „Zapzarap“ (das steht ungefähr für: „Ha ha, ich hab dir deine Diamanten weggeschnappt, erwisch mich doch, wenn du kannst!“) ist Afrikanerin, ihr Gegenspieler ist, ganz ohne aggressive Wut, grün, nämlich ein Nilkrokodil. Ein kurzsichtiges, aber kluges Krokodil, denn im Zuge des Charakterdesigns wurde seine Sturmhaube durch eine Brille ersetzt, um nicht durch Vergleiche mit Kämpfern des Islamischen Staats erst recht wieder die falschen Klischees zu bedienen. Das Logo wurde der ivorischen Symbolwelt Adinkra entnommen, die Heldin streift durch afrikanische Landschaften, ihre Schmuckstücke erinnern an die Blutdiamanten aus Sierra Leone – aber das ist eine andere, üble Ausbeutungsgeschichte. Neben Spielspaß wird also ganz unaufdringlich kulturelles Wissen vermittelt. Aber es geht noch weiter: Spielautomaten in Läden oder Apps auf Handys, über die „Zapzarap“ gespielt werden kann, könnten Einnahmen bringen, die sich wiederum für Projekte gegen Ausbeutung auf dem afrikanischen Kontinent spenden ließen. 

Der Spielverlauf selbst ist übrigens wesentlich einfacher als die hochkomplexe Entwicklung: Heldin jagt Krokodil, und wenn sie dabei zu oft stolpert (also viel fällt), heißt es trotz aller Vielfalt: Game over!

Fotocredit: (c) VOGUS