2018/19

stichmeinnicht

Berufsschule Kremsmünster

stichmeinnicht

Dieses bequeme Designmöbelstück besteht aus zwei ineinandergesteckten, lebensgroßen Holzgabeln.​​​

Es gibt diese Designstühle, die wahnsinnig kuschelig aussehen. Wenn man nur daran denkt, sich hineinzusetzen, schläft man schon friedlich weg. Dann aber tut man es wirklich und stellt fest: Hm. Na ja. Sieht bequemer aus als er ist. Das wird uns mit dem Objekt, das Moritz Kastner, Axel Lindorfer und Mathias Reiter sich ausgedacht haben, nicht passieren. Eher umgekehrt. Denn wer will sich schon gerne auf eine Gabel setzen? Und was klingt doppelt so unbequem wie eine Gabel? Zwei Gabeln! Da ziehen sich gleich alle Gesäßmuskeln erschrocken zusammen! Doch weit gefehlt: Wer glaubt, Sitzmöbel aus Besteck seien keine gute Idee, ist einem stichhaltigen Gerücht aufgesessen.

Angestachelt zu ihrem Projekt hat die drei Herren das Freifach Kreatives Gestalten, das sie aus drei verschiedenen Klassen der Berufsschule Kremsmünster zusammenführte. Durchaus unterschiedlich waren zu Beginn ihre Computerkenntnisse, gemeinsam hatten sie, dass allen dreien der Schalk im Nacken sitzt, gerade wenn es ums Sitzen geht. Als idealen Kunden haben sie sich sogar einen fiktiven Bewohner des Hotels Mama namens Heinrich ausgedacht, der gerne digitale Endgeräte benutzt, Katzen streichelt und wenigstens hin und wieder aufsteht, um etwas zu kochen. Es steht zu vermuten, dass Heinrich ein paar reale Vorbilder hat, da er 17 ist und daher etwa so alt wie die drei Spießgesellen, die – um das hier klar zu betonen – eine ganz und gar nicht spießige Sitzgelegenheit designt haben.

Das Möbel stichmeinnicht ist eine Liege mit ergonomisch geschwungenem Rückenteil. Sie besteht aus zwei ineinandergesteckten Gabeln in Lebensgröße, die ihrerseits aus drei Millimeter dicken Sperrholzplatten zusammengesetzt und schichtverleimt sind. An der oberen Gabel kann Heinrich sich also wunderbar anlehnen, während auf der unteren seine Beine (und auf diesen womöglich zwei seiner drei Katzen) ruhen. Stundenlang kann er so im weltweiten Web versinken, ganz anders als seine gezeichnete Variante im stichmeinnicht-Logo, die die Zacken der Gabel durchaus aufzuscheuchen verstehen. Hätten Kremsmünsters kreative Gestalter ihren eigenen Stuhl schon gehabt, sie hätten wohl nie ihre Gesäße hochgekriegt, um ihn zu bauen – so bequem ist er.

Fotocredit: (c) VOGUS