2018/19

Mikroplastik vor unserer Tür

HLUW Yspertal

Mikroplastik vor unserer Tür

Zwei Schülerinnen analysieren eingehend die Mikroplastikbelastung im Fluss Ybbs und deren Abbaubarkeit im Klärschlamm.​​​

Es gibt wenig Beunruhigenderes, als wenn jemand zu dir kommt und dir erklärt, dass du sehr wahrscheinlich jetzt schon Plastik trinkst. Dass sich also die Unmengen an Kunststoff, die der Mensch über Jahrzehnte achtlos in Form von Plastiksackerln oder -flaschen in den Meeren und Flüssen versenkt hat, zersetzen und in kleinsten Teilchen über das Wasser der Welt verteilen – bei unzureichender Klärung in der Anlage bis hin in die Leitungen des hochgelobten ostösterreichischen Trinkwassers.

So geschehen im Yspertal, in der HLUW in Zwettl, wo ein Vortrag einer Vertreterin des Nachhaltigkeitsministeriums die Fünftklasslerinnen Yasemin Gedik und Hannah Schatz nachhaltig verunsicherte. Aber wie kann man Verunsicherung besser begegnen als mit gründlicher wissenschaftlicher Analyse? Also: nach eingehender Vorbereitung, Planung und Konstruktion ab auf die Ybbs! Fließgeschwindigkeit messen, selbstgebaute Netze und Filtersysteme ins Wasser abseilen und nach ein paar Stunden wieder herausheben. Außerdem: in die Kläranlagen gehen und prüfen, wie Klärschlamm den Abbau von diversen Kunststoffarten vorantreibt. Zahlreiche chemische Analysen und Berechnungen durchführen. Alles exaktest mitnotieren und dokumentieren. Wenn es um reines Wasser geht, muss der Welt reiner Wein eingeschenkt werden.

So folgte eine ausführliche schriftliche Analyse, schließlich hat das böse Mikroplastik zumindest eine plastische Darstellung verdient. Die Ergebnisse sind nicht unbedingt erbaulich, auch nicht abbaulich, denn nach 30 Tagen Behandlung mit den Mikroorganismen des Klärschlamms bauen sich die kleinen Plastikteilchen nicht vollständig ab. Besonders der Kunststoff Polylactat zum Beispiel erweist sich, obwohl er biologisch abbaubar genannt wird, als sehr klärschlammresistent. Polyethylenterephthalat (kurz PET) ist der Einzige, bei dem der Klärschlamm einen PET-edeutsamen Kettenabbau begünstigt.

Die „gute“ Nachricht ist: Die Ybbs hat eine deutlich geringere Mikroplastikbelastung als zum Beispiel die Donau. Somit wäre ja alles geklärt. Oder?

Fotocredit: (c) VOGUS