2018/19

Beinprothese

HTBLA Weiz

Beinprothese

Der Einbau eines funktionierenden Hüftgelenks soll das Verwenden einer Beinprothese auch ohne Krücken ermöglichen.​​​

Manchmal bieten sich Ideen für Innovation einfach an. Ein Schüler der HTBLA Weiz hatte bei einem Traktorunfall sein rechtes Bein und Teile des Hüftgelenks verloren. Er bekam eine Prothese, konnte aber dennoch nur mithilfe von Krücken gehen. Das muss doch im wahrsten Sinne des Wortes noch besser gehen, riefen seine Kolleginnen und Kollegen Manuel Nieß, Martin Pangerl, Sebastian Peterka, Katrin Reisenhofer, Carmen Schönauer, Thomas Siegl und ihr Projektbetreuer. „Besser“ heißt in diesem Fall: mit funktionierendem Hüftgelenk, also beweglich und somit geländetauglich. So etwas gibt es bisher noch nicht.

Zum Einstieg in die Welt der Prothetik nahm das Team Selbstschulungen in Anatomie vor: Die Mitwirkenden filmten einander beim Gehen und beim Stiegensteigen. Das komplexe System hinter Abläufen, über die wir normalerweise keine Sekunde nachdenken, kristallisierte sich allmählich heraus. Dann ging es darum, diese Abläufe zu automatisieren: Ein passendes Regelungskonzept musste her – für die richtigen Sensoren und Motoren wurde eine Orthopädiefirma herangezogen. Bei dem fertigen Hüftgelenk wird eine Gasdruckfeder die Schwenkbewegung des gesamten Beines ermöglichen. Es ist in einer sogenannten Seitenbox gelagert und wird durch einen Servomotor angetrieben, für dessen Stromversorgung die Konstruktion ebenfalls Platz bietet.

Aber die sechs Prothesenprofis dachten noch weiter: Schließlich kann ein neues Teil nicht einfach zackzack am vorgesehenen Empfänger angeschraubt werden, um es zu testen. Eine eigens programmierte Software ermöglicht es nun, die gewünschten Bewegungen digital abzubilden und die Maschine für den Menschen ohne Mensch auf den Prüfstand zu stellen.

Hat der Kollege seine flexible Prothese 2.0 bekommen? Bein-ahe! So schnell geht das nämlich nicht: Das Diplomprojekt wird an die nächstjährige Abschlussklasse weitergegeben. Die stellt dann sicher, dass alle Bauteile des momentan noch etwas zu schweren Beines das richtige Gewicht und die richtige Festigkeit bekommen. Und dann, ja dann wird 3D-gedruckt, geprüft und die Sache richtig angegangen.

Fotocredit: (c) VOGUS